Das Wunder aus Österreich - Der Agrar-Pionier Sepp Holzer

Steine im Gartenboden sind prima, Grünguthäcksler völlig überflüssig, Dünger braucht der Boden in keiner Form, Wühlmäuse sind willkommene Nützlinge, und was in der sog. Fachliteratur steht, stimmt schon gar nicht. Dies tat Sepp Holzer, wohl berühmtester österreichischer Bergbauer, in schönster österreichischer Mundart – bei vereinzelten Worten hatte ich anfangs ernsthafte Verständnis-Probleme, bei seinem kürzlichen Vortrag in Lindau in den ersten zwanzig Minuten kund. Knapp 100 ambitionierte Hobbygärtner sowie neugierige und innovationswillige Landwirte lauschten teils ungläubig, teils amüsiert und nicht zuletzt völlig fasziniert Holzers lebendigen Ausführungen. Depeschenbezieherin und Naturkostladeninhaberin Kristina Peters berichtet von Sepp Holzers Vortrag am 21. November 2003 in der Inselhalle in Lindau am Bodensee.

Sepp Holzer bekam bereits als Kind von seinem Vater ein Stückchen Land zugewiesen, für das er – „wie es sich gehört” – auch Pacht zu zahlen hatte. Verständlicherweise lag dieses nicht gerade mitten in der fruchtbarsten Anbauzone, sondern eher ziemlich abgelegen im für die Landwirtschaft völlig unbrauchbaren und steinigsten Winkel des Hofes.

Hier begann der kleine Sepp mit seinen Experimenten und stellte schon in frühester Kindheit fest, daß Erdbeeren hinter einem Stein nicht nur weitaus größer wurden, sondern auch noch viel, viel süßer schmeckten, als solche, die ohne Stein in ihrer Nähe auskommen mußten. Später erkannte er die konkreten Vorteile eines steinigen Gartens: Steine gleichen die Temperatur aus und spenden Feuchtigkeit durch Kondenswasser. Unter den Steinen herrscht ein günstiges Biotop für Regenwürmer, welche im Gegenzug alle erforderlichen Nährstoffe zu den Pflanzen bringen. Auch alte, halb in die Erde vergrabene Wurzelstöcke eignen sich ähnlich wunderbar als Nachbarn für Gemüse- und Salatpflanzen.

Mit 18 Jahren besuchte Sepp Holzer verschiedene landwirtschaftliche Kurse, durch die er feststellte, daß er offensichtlich bisher auf dem elterlichen Hof alles, aber auch wirklich alles falsch gemacht hatte. Frisch motiviert von seiner Ausbildung legte er alsbald los: Er besorgte sich den nötigen Kunstdünger, das wirklich unverzichtbare Wühlmausgift und die aktuellsten chemischen Unkraut- sowie Insektenvertilgungsmittel.

Voller Elan brachte er seine neu erworbenen Utensilien auf seinem blühenden, fruchtenden Land aus, doch kaum wollte er sich nach getaner Arbeit – für die es ja wirklich allerhöchste Eisenbahn gewesen war – entspannt zurücklehnen, mußte er mit Gänsehaut im Nacken feststellen, daß von Tag zu Tag, von Woche zu Woche mehr Pflanzen eingingen, weniger Bienen flogen, Vögel seltener sein Land aufzusuchen schienen und auch sein Boden immer weniger Regenwürmer beherbergte.

Sepp Holzer erinnerte sich wieder der Methode seiner Kindheit, die er auch den Zuhörern an jenem Tag in Lindau immer wieder nahelegte: Sobald ein Problem auftritt z. B. Schädlinge in Massen oder bestimmte Pflanzenkrankheiten, dann „sitz di hin und denk' amoll noch, wos host jetzt do für an Fehler gmocht? Hisitz'n und beobacht'n“.

Auf diese Weise und immer mit der Natur als Vorbild käme man unfehlbar auf die Lösung des Problems.

Im weiteren Artikel werden die Erfolge Sepp Holzer mit seiner landwirtschaftlichen Methode aufgezeichnet von Hügelbeeten bis Fischzucht, von Ablenkpflanzen bis Projekten in aller Welt. Nicht nur Erfolge hat Sepp Holzer zu verzeichnen, sondern auch Widerstände seitens der Behörden gegen seine außergewöhnliche Landwirtschaft gehören leider bei ihm zum "All-Tag". Und so mancher Professor stand kopfschüttelnd vor einem Zitronenbaum und konnte nicht glauben, was er da sah. So ergeht es vielen auf Sepp Holzers Führungen durch sein "Paradies".

Begeben Sie sich mit diesem ausführlichen Artikel auf eine Reise in ein "Wunderland", welches eigentlich gleich vor unserer Haustür anfängt.

Mehr Informationen finden Sie unter folgenden Links:
Sepp Holzer im Internet
Agrar-Pionier, Sepp Holzer (Depesche)